Hörgerätekompatibilität, auch HAC (engl. Hearing Aid Compatibility) genannt, bezeichnet die Eigenschaft, dass ein Handy oder Telefon auch für Menschen, die ein analoges Hörgerät tragen, geeignet ist. Nutzt man ein Telefon oder Handy, das nicht hörgerätekompatibel ist, können beim Tragen eines analogen Hörgeräts lästige Störgeräusche, wie zum Beispiel Rauschen oder Brummen entstehen. Wenn Sie ein analoges Hörgerät verwenden, sollten Sie daher auf die Hörgerätekompatibilität eines Seniorenhandys achten.


Bei Verwendung eines digitalen Hörgeräts treten diese Probleme nicht auf. Bei digitalen Hörgeräten, die heute (auch im zuzahlungsfreien Bereich) üblich sind, ist eine Hörgerätekompatibilität des Seniorenhandys nicht erforderlich.


Prüfverfahren


Der Begriff „Hörgerätekompatibel“ ist in Europa nicht an die Unterstützung eines Standards oder an eine Prüfung gebunden. Wenn ein Hersteller für seine Seniorentelefone nur „Hörgerätekompatibel“ angibt, so bedeutet das in der Regel, dass das Gerät konstruktionsbedingt kompatibel ist. Der Hersteller hat jedoch die teure und nicht erforderliche Prüfung durch ein Labor nicht durchgeführt.


In den USA ist die Prüfung von hörgerätekompatiblen Telefonen nach der FCC-Norm vorgeschrieben. Die Hörgerätekompatibilität von einem Handy oder Telefon wird dabei in zwei Klassen bewertet: dem M- und dem T-Rating.


Das M-Rating ist für Telefone und Handys, die kompatibel mit Hörgeräten ohne Induktionsspule sind. Das T-Rating ist für Telefone und Handys, die kompatibel mit induktiven Hörgeräten mit Spule sind.


Für beide Kategorien gibt es jeweils Werte von 1 bis 4. 1 steht hierbei für die schlechtesten Eigenschaften, 4 für die besten. Ganz unabhängig sind die beiden Kategorien jedoch nicht voneinander und es ist vorgegeben, dass Telefone, die in der einen Kategorie gut bewertet wurden (3 oder 4) auch in der anderen Kategorie gut (3 oder 4) sein müssen. Die Kombination M4/T1 dürften Sie also nicht finden.


Möglich sind folgende Auszeichnungen (gemäß FCC, vom Schlechtesten zum Besten):
•    M3
•    M4
•    M3/T3
•    M4/T3 (oder M3/T4)
•    M4/T4

Einige Hersteller geben die Hörgerätekompatibilität Ihrer Handys auch in Europa nach den FCC-Mx/Tx- Klassen an. Andere Hersteller prüfen Ihre Geräte nach der europäischen Norm ETSI ETS 300 381 (Telephony for hearing impaired people; Inductive coupling of telephone earphones to hearing aids). Diese Norm entspricht qualitativ dem amerikanischen FCC-Standard, eine Prüfung ist aber in Europa nicht verpflichtend.


Wie zuverlässig sind das FCC M- und T-Rating bzw. die Prüfung nach ETS 300 381?


Im Allgemeinen gilt, dass es bei Handys oder Telefone mit höheren Ratings oder Prüfung nach ETS 300 381 zu weniger oder gar keinen Störgeräuschen kommt. Dennoch kann es vorkommen, dass selbst ein Handy, das mit M4/T4 ausgezeichnet ist, Störgeräusche im Hörgerät erzeugt. Dies liegt daran, dass die Hörgerätekompatibilität noch von vielen anderen Faktoren beeinflusst wird, die in den derzeitigen Verfahren oftmals nicht berücksichtigt werden. Genauso gut kann es sein, dass Sie ein Handy ohne Rating kaufen und es zu keinerlei Störungen kommt. Ein höheres Rating ist also keine Garantie dafür, dass Sie das Handy störungsfrei nutzen können, bietet aber einen guten Anhaltspunkt.